Die Uetersener Tafel e.V.

Essen, wo es hingehört

Wenn das Geld nicht reicht …

29.08.2006 Hamburger Abendblatt

Hilfe: Uetersener Tafel versorgt Arbeitslose. Lebensmittel und andere Produkte, von Geschäften und Supermärkten gespendet, werden kostenlos an Bedürftige verteilt.

Von Michael Rahn

Uetersen – Seit dreieinhalb Jahren ist der gelernte Bäcker arbeitslos. Zuletzt hat er als Lkw-Fahrer gearbeitet. Doch auch in dieser Branche findet er keinen neuen Job. Jetzt muss er für seine fünfköpfige Familie mit dem Arbeitslosengeld II zurechtkommen. „Da wird natürlich beim Essen gespart. Obst oder so was war nicht mehr drin“, erzählt er. Doch von einem Tag auf den anderen gibt es jetzt für die Familie wieder vitaminreichere Kost – dank der Uetersener Tafel.

In wenigen Monaten haben einige aktive Bürger aus der Rosenstadt dafür gesorgt, dass diese soziale Einrichtung auch in ihrem Heimatort gegründet wird. Seit ein paar Tagen werden Lebensmittel und auch andere Produkte, die in Geschäften wegen des ablaufenden Mindesthaltbarkeitsdatums weggeworfen werden müssten, kostenlos verteilt werden. „Natürlich erhalten nur diejenigen etwas, die sich das aus eigener Tasche nicht leisten können“, erzählt Andre Wilhelmsen.

Der 50-Jährige gehört zu den bislang etwa 40 Bürgern aus Uetersen, die sich aktiv für die Tafel einsetzen. Sie haben sich auf vier Gruppen verteilt. Die einen sind dafür verantwortlich, im Edeka-Markt von Horst Ermeling, bei Famila, Lidl, Minimal und Rossmann die Waren abzuholen, die anderen verteilen die Waren, die dritte Truppe sorgt für die Öffentlichkeitsarbeit, und die vierte Gruppe kümmert sich um soziale Probleme der Kunden, falls diese Hilfe wünschen.

Verteilt wird aus einem ehemaligen Friseurladen an der Reuterstraße 41. Vorläufig sind drei Öffnungszeiten besetzt: Jeweils montags, mittwochs und freitags von 16 bis 17 Uhr. Noch läuft einiges provisorisch und mit einiger Reibung. Innerhalb der kurzen Zeit sind rund 80 Bürger als Kunden aufgenommen. Das läuft unbürokratisch: Sie müssen nur einmal ihre Hartz-IV-Bescheinigung oder ihren Rentenbescheid mitbringen, erhalten dann einen Ausweis und werden sofort bedient.

Viele prominente Uetersener haben sich für die Gründung der Uetersener Tafel stark gemacht. Die Sparkasse Südholstein gehörte zu den ersten großen Förderern. „Wir müssen leider 500 Euro pro Monat für die Miete des Ladens aufbringen“, berichtet Roland Breuer. Der 54 Jahre alte gelernte Versicherungsfachwirt ist der Vorsitzende des Trägervereins. Er ist selbst vor drei Jahren arbeitslos geworden, muss jetzt mit wenig Geld auskommen und weiß, wo es bei Bedürftigen besonders kneift.

Zum Verein gehören bislang 50 Mitglieder, die mindestens zehn Euro pro Jahr als Beitrag zahlen. „Wir können jede Unterstützung gebrauchen. Jede Spende hilft“, sagt Breuer. Denn neben der Miete müssen auch noch Einrichtung und eigentlich auch Fahrzeuge finanziert werden. „Bis jetzt nutzen wir fürs Abholen unsere privaten Autos“, erzählt Breuer. Doch besser wäre es natürlich, ein Kühlfahrzeug zur Verfügung zu haben. „Auch weitere Kühlschränke im Laden wären sinnvoll“, sagt Andre Wilhelmsen, der den Einsatz in der Ausgabestelle leitet.

Die Akteure rechnen damit, in wenigen Monaten rund 200 Menschen in Uetersen, Tornesch und Moorrege mit zu versorgen. „Das lässt sich aus den Statistiken der rund 600 Tafeln in Deutschland nachrechnen“, erklärt Tafel-Vorsitzender Breuer. Rund zehn Prozent der Bedürftigen nehmen das Angebot wahr. Im Raum Tornesch gehen die Verantwortlichen von etwa 2000 Menschen aus, die von Hartz IV und anderen sozialen Leistungen leben.

Wer Kontakt aufnehmen will, sollte sich an Roland Breuer, Tel. 04122/98 95 40, wenden. Weitere Infos auch unter www.uetersener-tafel.de. Notrufnummer: 0160/484 09 54. Wer spenden will, zahlt aufs Konto 15 070 584, Bankleitzahl 230 510 30 bei der Sparkasse Südholstein ein.