Die Uetersener Tafel e.V.

Essen, wo es hingehört

Tafel und Kleiderkammer brauchen Freiwillige

30.01.2016 Hamburger Abendblatt

Von Fabian Schindler

20160130 HA

Bei der Tafel in Uetersen werden etwa 750 Menschen versorgt. Zeitweise fehlten der Tafel freiwillige Helfer wegen des großen Andrangs an Bedürftigen. Andere Vereine in der Region suchen noch verzweifelt nach Helfern, um die Herausforderungen mit der Flüchtlingskrise zu bewältigen

In Uetersen und Tornesch arbeiten Ehrenamtler an der Belastungsgrenze. In Zeiten der Flüchtlingskrise werden Helfer dringend benötigt.

Uetersen/Tornesch. Wenn Uwe Staack, Vorsitzender des Uetersener Seniorenbeirates, auf die Bilanz der Integrationsarbeit in Uetersen für die eingewanderten Menschen aus den Krisenregionen zurückblickt, ist er zufrieden. Viele Bürger hätten sich positiv eingebracht, ältere Bürger hätten sich vielfach gemeldet, um den zugereisten Flüchtlingen etwa beim Erlernen der deutschen Sprache zu helfen. In Uetersen sei die Zahl der freiwilligen Helfer höher als jene der Flüchtlinge. Doch die freiwilligen Helfer arbeiteten in der Rosenstadt immer wieder am Limit. Und nicht nur dort. Auch in Tornesch ist die Belastung hoch. Neue ehrenamtliche Helfer werden gebraucht, insbesondere jüngere Bürger.
„Das Sprachcafé ist ein Ergebnis des Integrationskonzeptes, das die Grünen in Uetersen initiiert hatten. Es war von Beginn an ein Erfolg“, sagt Staack. Viele Bürger packten mit an und bereiteten die Kurse mit vor. Auch bei den DaZ-Klassen seien viele Uetersener ehrenamtlich dabei, um Kindern Deutsch beizubringen. „Wir brauchen dort aber mehr Unterstützung, die freiwilligen Lehrer sind an der Belastungsgrenze“, sagt Staack.

Bei der Tafel sah es zeitweise nicht viel anders aus. Ferdinand Nanz hat etwa 60 ehrenamtliche Helfer bei der Uetersener Tafel. Knapp 570 Kunden zählt die Tafel in Uetersen momentan, bei steigender Tendenz. Mit Tornesch und dem Umland liegt die Zahl bei mehr als 750 Kunden, so Nanz. Wegen des großen Andrangs gebe es immer wieder Platzprobleme. Anfang Januar reichte der Einsatz der 60 Helfer nicht mehr aus, um die Arbeit zu bewältigen. Weil die Ausgabe von Lebensmitteln an drei Tagen die Woche mit dem Personal nicht mehr zu schaffen war, wurde die Ausgabe auf zwei Tage begrenzt, die Arbeit neu organisiert. Ein paar Helfer hat Nanz inzwischen auch dazu gewonnen. „Wir haben unsere kleine Krise bewältigt“, sagt er. Die Frage sei aber, wie lange das so bleibe. Ein paar Helfer unter 30 Jahren, die würde Nanz daher gern noch haben.

In Tornesch sieht die Lage bei der Kleiderkammer des DRK-Ortsverbandes nicht viel anders aus. Torneschs Bürger würden, so Manfred Irgens, Vorsitzender des DRK-Ortsverbandes, viele Kleidungsstücke für Flüchtlinge zur Verfügung stellen. Doch die Sichtung und Lagerung der Bestände bereite Probleme. „Unser Problem ist, dass wir zu wenig Leute haben, um all das zu schaffen und dass unsere Räumlichkeiten inzwischen zu klein sind“, sagt Irgens. Tonnen von Kleidung werden in den Räumen an der Pommernstraße 91 gelagert, 70 Prozent dessen, was abgegeben werde, sei aber unbrauchbar. Sichtung und Aussortierung benötige leider viel Zeit.

Mehrere Flüchtlinge helfen den Ehrenamtlichen vom DRK bei der Arbeit. Dennoch: Der Arbeitsaufwand ist hoch, der Platz knapp. Wenn zweimal die Woche eine Ausgabe stattfindet, wird es eng in der Kleiderkammer. „Wir wollten umziehen und hatten bereits das Bonhoeffer-Haus als Domizil im Visier“, sagt der Verbandsvorsitzende. Doch weil die Stadt in dem Haus der Kirchengemeinde vorübergehend einen Kindergarten einrichtet, um gegen das Unterangebot an Betreuungsplätzen anzukämpfen, ist der Umzug geplatzt. „Wir können die Entscheidung der Stadt verstehen, sie hilft uns aber nicht“, sagt Irgens. Nun müsse von neuem geschaut werden, wo die Kammer langfristig unterkommen könnte und auch genügend Platz für Helfer ist.
Daniel Kölbl, Stellvertretender CDU-Vorsitzender in Tornesch, will das Thema in der Politik auf die Tagesordnung bringen. Hinsichtlich der Raumnot der Kammer hat sich die CDU vor Ort ein Bild von der Lage gemacht und Ideen mit Irgens ausgetauscht. „Wir werden abwarten, welche Ideen sich aus Sicht des DRKs als praktikabel erweisen und inwieweit die Unterstützung der Politik gefordert sein wird“, sagt Kölbl. Bei der Suche nach neuen Freiwilligen will die Kleiderkammer mit Schulen und Feuerwehr stärker kooperieren, denn dort seien auch jüngere Tornescher zu finden.