Die Uetersener Tafel e.V.

Essen, wo es hingehört

So bewältigen die Tafeln im Kreis den Ansturm

31.10.2016 Hamburger Abendblatt

Kreis Pinneberg
Von Arne Kolarczyk

Bei der Essensausgabe

Bei der Lebensmittelausgabe

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Viele Menschen haben Bedarf an kostenlosen Lebensmitteln. Ehrenamtliche Helfer stellen sich der Herausforderung. Ein Überblick.

Kreis Pinneberg.  Die Mitarbeiter der Tafeln im Kreis Pinneberg, die bedürftige Menschen mit Lebensmitteln versorgen, haben alle Hände voll zu tun. Vor zwei Jahren ist die Zahl der Hilfesuchenden infolge der Flüchtlingswelle stark gestiegen und bis heute auf hohem Niveau geblieben. Die Folge: Die Tafeln brauchen mehr Lebensmittel, mehr Helfer und zum Teil zusätzliche Ausgabetage.

Beispiel Schenefeld: Dort wurde Anfang 2016 ein zweiter Ausgabetag eingeführt. „Die Menschen standen vorher in einer Schlange, die einmal rund um das Gebäude führte“, erinnert sich Tafel-Chef Mathias Schmitz.

Seit außer dienstags auch am Donnerstag Lebensmittel ausgegeben werden und die Tafelkunden in zwei Gruppen aufgeteilt sind, können die knapp 90 ehrenamtlichen Helfer den Ansturm bewältigen. Schmitz: „Wir haben aktuell etwa 330 bis 335 Kunden pro Woche. Im Frühjahr vorigen Jahres waren es noch 180.“ Die Zahl der registrierten Kunden liege mittlerweile bei ungefähr 900. All diese zusätzlichen Menschen mit ausreichend Lebensmittel zu versorgen „war eine Herausforderung“, so Schmitz weiter.

Mathias Schmitz ist Vorsitzender der Schenefelder Tafel

Mathias Schmitz ist Vorsitzender der Schenefelder Tafel

Foto: Arne Kolarczyk / HA

Die Ehrenamtlichen haben sie gemeistert. Seit Ende 2015 fährt die Schenefelder Tafel auch die Edeka-Märkte Böge an, Aldi ist ebenfalls – im Einzugsbereich der Tafel – dazugekommen. Rewe und Lidl gehörten bereits zuvor zu den Spendern. Gemüse, Obst, Wurst, Molkereiprodukte: „Alles, was ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum hat, kommt zu uns“, sagt Schmitz. Die Ehrenamtlichen sortieren ungenießbare Lebensmittel aus und bereiten andere auf, entfernen etwa mal ein welkes Salatblatt.

Lange haltbare Lebensmittel wie Kaffee, Nudeln, Mehl oder Reis bekommt die Tafel eher selten. „Wir versuchen verstärkt, vor Supermärkten präsent zu sein und die Kunden zu überzeugen, ein Teil mehr zu kaufen und es uns zu spenden“, sagt Schmitz. Er und seine Helfer versuchten, die Zahl der privaten Spenden zu erhöhen. „Geben Sie uns kein Geld, sondern lieber Nahrungsmittel“: Das ist sein Appell an die Bevölkerung.

Kunden der Tafel kommen zu zwei Drittel aus Schenefeld und zu einem weiteren Drittel aus Halstenbek. Sie müssen regelmäßig ihre Bedürftigkeit nachweisen, etwa durch Vorlage ihres Hartz-IV-Bescheides. „Vielfach sind auch Kinder betroffen“, weiß Schmitz. In Schenefeld wird jedem Hilfesuchenden, der zur Tafel am Osterbrooksweg kommt, ein Helfer zugewiesen, der mit ihm die Runde durch das Lebensmittellager dreht. Schmitz: „Auf diese Weise beugen wir einem eventuellen Missbrauch vor.“

Mehr als 700 registrierte Kunden hat die Tafel in Pinneberg in ihrer Kartei. „350 von ihnen kommen regelmäßig“, sagt die Vereinsvorsitzende Birgit Drechsler. Nach dem großen Ansturm im vorigen Jahr hätten sich die Zahlen stabilisiert. „Es sind nicht viel weniger geworden“, sagt Drechsler. Die Pinneberger Tafel hat über zwei Ausgabetage am Dienstag und am Donnerstag. Inzwischen wird sie von immer mehr Hilfesuchenden aus Rellingen besucht – etwa 60 bis 70 pro Woche, schätzt Drechsler. 70 bis 80 aktive Helfer unterstützen die Vereinsarbeit.

In Wedel werden im Schnitt pro Woche 360 Tüten mit Lebensmitteln ausgegeben. „Verglichen mit Anfang vorigen Jahres haben wir etwa ein Drittel mehr Zulauf“, sagt Vereinschefin Karin Kost. Trotzdem haben sich die Wedeler entschieden, es bei einem Ausgabetag pro Woche zu belassen. „Wir sind dann allerdings auch deutlich länger vor Ort als andere Tafeln“, berichtet die Vorsitzende.

Ein Kraftakt sei der Umzug der Tafel von der Bahnhofstraße zum Kronskamp gewesen. „Wir mussten alles renovieren, haben 25.000 Euro aus Eigenmitteln investiert.“ Trotz der größeren Entfernung zur Innenstadt habe die Tafel keinen Kunden verloren. „Noch sind wir im neuen Domizil nicht winterfest, aber wir arbeiten daran.“ Im nächsten Jahr feiert die Wedeler Tafel ihr zehnjähriges Bestehen.

In Uetersen war das bereits im Mai dieses Jahres so weit. Der Vorsitzende Ferdinand Nanz spricht von 500 registrierten Kunden. Ihre Zahl sei 2015 rasant gestiegen. „Es war ziemlich chaotisch, weil viele an allen drei Ausgabetagen kamen“, so Nanz. Inzwischen sei das System geändert, sodass pro Kunde maximal zwei Ausgaben pro Woche möglich sind. Nanz schätzt, dass ausländische Kunden einen Anteil von 80 Prozent ausmachen. Darunter seien viele Flüchtlinge. 60 Helfer, die meisten davon Fahrer und Sortierer, erhielten den Betrieb aufrecht.

Die Tafel in Elmshorn unter der Regie des Christus Zentrums Arche an der Lornsenstraße öffnet von Montag bis Freitag sogar täglich – und dort muss niemand einen Bedürftigennachweis erbringen. Etwa 120 Menschen kommen pro Tag, der größte Teil von ihnen sind Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund. Neben der Lebensmittelverteilung betreibt die Elmshorner Tafel eine Suppenküche, in der Bedürftige für einen Euro ein warmes Essen erhalten. Dieses Angebot nutzen täglich etwa 80 Personen.