Die Uetersener Tafel e.V.

Essen, wo es hingehört

Ministerin unterstützt die Tafel

27.04.2007 Wedel-Schulauer Tageblatt

Schlewig-Holsteins Sozialministerin Dr. Gitta Trauernicht (SPD) übernimmt die Schirmherrschaft für die Uetersener Tafel. „Das ist für uns enorm wichtig“, sagt der Vorsitzende Roland Breuer.
Uetersen.
Angst vor großen Namen kennt Roland Breuer nicht. Der Vorsitzende der Uetersener Tafel handelte frei nach dem Motto „Frechheit siegt“, als er sich vor einem Monat an das Kieler Sozialministerium wandte. Sein Plan: Ministerin Dr. Gitta Trauernicht soll die Schirmherrschaft über die Tafel übernehmen, die seit August 2006 bedürftige Menschen mit Lebensmitteln versorgt. Breuer hat’s geschafft. Gestern erreichte ihn der Brief aus Kiel – Trauernicht sagte zu. „Ich nehme ihr Angebot mit Freude an.“

Ein Glücksfall für die Einrichtung. „Das ist ein enormer Imagegewinn für uns“, betont der Vorsitzende. Es sei ein Signal, dass die Tafel ernst genommen werde. Breuer: „Wir können etwas bewirken.“

Die Einrichtung ist nicht überall beliebt, stößt in einigen Kreisen auch auf Widerstände. Die Klientel: vor allem Hartz-IV-Empfänger. „Wir machen die Armut sichtbar. Da wollen nicht alle hingucken“, erklärt Breuer. Um so wichtiger sei der Einsatz der Ministerin.

Trauernicht hat bereits zugesagt, persönlich in die Reuterstraße zu kommen, um die zurzeit 50 ehrenamtlichen Mitarbeiter zu besuchen. Sie will sich dafür stark machen, dass sich noch mehr Menschen für die Tafel engagieren. „Anderen Menschen vom Überfluss abzugeben, sie in ihren prekären Lebenssituationen nicht allein zu lassen, sich ein Herz zu fassen und Geld zu investieren, gehört zu einer gut funktionierenden Bürgergesellschaft dazu“, sagte die Ministerin gestern.

Das Land hat die Uetersener Einrichtung bisher schon aus dem Topf „Förderung des Ehrenamtes“ finanziell unterstützt. In 2006 mit 3 000 und in diesem Jahr mit 8 400 Euro. Das Budget der Tafel liegt bei 16 000 Euro. Auch Uetersen und Moorrege beteiligen sich an den Kosten. 102 Mitglieder hat der Verein bisher. Zahlreiche Firmen und Privatleute spenden regelmäßig für die Einrichtung.

Die Tafel hat aber nicht nur Imageprobleme, sondern auch ganz handfeste Schwierigkeiten. Die Räumlichkeiten an der Reuterstraße können dem Ansturm kaum standhalten. Die Tafel versorgt inzwichen schon 500 Menschen, davon 100 Kinder. Die Absicht, in die ehemalige Berufsschule Finkenbrook umzuziehen, besteht laut Breuer weiter. Die Stadt könnte der Tafel das Gebäude mietfrei zur Verfügung stellen. Eine Entscheidung soll am 8. Mai im Sozialausschuss fallen.

Außer den Räumen fehlen auch noch Mitarbeiter und ein Fahrzeug. Die Tafel braucht dringend 15 weitere Helfer, um die Arbeit leisten zu können. Für die Anschaffung des Wagens werden noch 11 000 Euro benötigt.
von Christian Brameshuber