Die Uetersener Tafel e.V.

Essen, wo es hingehört

Ein Jahr Uetersener Tafel

10.08.2007 Uetersener Nachrichten

Rückblick und Ausblick. Die „Uetersener Tafel“ versorgt nicht nur Bedürftige aus der Region, die dort ehrenamtlich Tätigen sind auch Ansprechpartner. Und: Mit dem regelmäßigen Angebot „holen wir die Menschen aus ihrer Einsamkeit heraus“, sagt Roland Breuer, der Vereinsvorsitzende.

Von Klaus Plath

Uetersen. 550 Menschen, so weist es die Statistik aus, werden inzwischen von der „Uetersener Tafel“ mit Lebensmitteln versorgt. Es sind Männer, Frauen, Kinder – ganze Familien finden sich an der Reuterstraße ein und erhalten die gepackten Tüten, für die ein kleiner, finanzieller Beitrag von 50 Eurocent zu bezahlen ist. Dieses Geld wird für die laufenden Kosten dringend benötigt. Zum Beispiel erhalten die Fahrer, die ehrenamtlich tätig sind, 20 Eurocent pro gefahrenen Kilometer – als „Sprithilfe“.
Was ist in einer solchen Tüte drin? Was gehört nicht hinein? „Die Grundausstattung besteht aus Obst, Salat und Gemüse. Sehr oft ist auch Aufschnitt enthalten. Auch Molkereiprodukte gehören in die Tüte. Wir sind zwar nicht in der Lage, eine Vollversorgung zu garantieren. aber wir wollen sicherstellen, dass sich die Bedürftigen gesund ernähren können“, so der Vorsitzende des Trägervereins. Alkohol gehöre (daher) natürlich nicht in die Tüte.
Um eine gesunde Versorgung zu garantieren, seien geeignete Spender notwendig. „Und die haben wir“, sagt Breuer.
Nicht nur Supermärkte und Bäckereien gehören zu den Unterstützern der „Uetersener Tafel“, sondern auch Händler vom Wochenmarkt. Inzwischen zählen mehr als 50 Firmen zu den Gönnern des Vereins.
Gerade werde, sagt der Vorsitzende, mit einer neuen Lebensmittelkette verhandelt. „Wir sind natürlich auch auf Sponsoren in finanzieller Hinsicht angewiesen. Als „Dauer-Sponsor“ gilt zum Beispiel die Sparkasse Südholstein. Breuer: „Oder auch die Unternehmen, die bei uns Mitglied geworden sind. Als neues Mitglied konnten wir kürzlich einen Pflegedienst, den ‘Pflegedienst mit Herz’ bei uns begrüßen. 350 Euro zahlt der Verein als Jahresmitgliedsbeitrag.“
60 freiwillige Helfer gehören dem 130 Mitglieder starken Verein an. Sie teilen sich die Arbeit des Abholens, des Packens, des Betreuens, des Saubermachens und des Ordnungsdienstes. Teil dieses Aktiven-Kreises sind mehr als zehn Bedürftige.
Die Ausgabe der Tüten (übrigens gespendet von der Firma Famila) und damit die Versorgung der Bedürftigen mit Lebensmitteln ist der eine Bereich, für den sich die „Tafel“ zuständig fühlt. Aber es werde, und daher sei das „Café der Begegnung“ im Ausgabe-Raum eine gute Sache, so Breuer, auch viel kommuniziert. Der Vorsitzende weiter: „Dort wird Vertrauen aufgebaut. Wir kennen alle Hilfsangebote in Uetersen, Tornesch und Moorrege. Die soziale Integration ist der eigentliche Hintergrund der Begegnungsstätte.“
Stichwort „Soziale Hängematte“? Wird der Anreiz, sich selber zu versorgen zu wollen, durch die Leistungen der „Tafel“ nicht unterdrückt?
Bei der „Uetersener Tafel“ würden die Menschen, die sich eine Tüte abholen, aus der Isolation geholt. Die meisten Bedürftigen sind schon so demoralisiert, dass sie nicht einmal in der Lage sind, zu uns zu finden. Obwohl es nur gilt, zwei Papiere auszufüllen. Wir möchten diese Hemmschwellen abbauen und die Menschen bei uns integrieren. Wir leisten damit einen Beitrag dafür, dass die Betroffenen wieder zurück in ein Bewerberverfahren finden“, sagt Breuer.
Die Akzeptanz der „Uetersener Tafel“ in der Bevölkerung sei hoch. Manch’ Politiker sieht, so hat Breuer gehört, das offensichtlich anders. „Es wird nämlich nicht immer als positiv empfunden, wenn Armut sichtbar gemacht wird. Und das machen wir“, sagt der Vorsitzende, der selber Empfänger von HartzIV-Leistungen ist. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, Partei für unsere Kunden zu ergreifen, sagt Breuer und definiert damit den Status der Bedürftigen aus „Tafel“-Sicht. „Das tun wir – gerne.“
Wer gilt als bedürftig?
Uetersen (pl). „Wir definieren die Bedürftigkeit nach strengen Kriterien selber. Bedürftig ist, wer nach Abzug von Miete, Heizung und Nebenkosten nicht mehr als 500 Euro monatlich zum Leben hat. Jede weitere Person eines Haushaltes darf nicht mehr als über 300 Euro verfügen“, erklärt Roland Breuer den Grundsatz der „Uetersener Tafel“. Das bedeutet, dass eine vierköpfige Familie über nicht mehr als 1400 Euro verfügen darf. Es sind ale nicht nur Hartz-IV-Empfänger, die leistungsberechtigt sind, sondern auch Rentner oder sonstige Haushalte mit niedrigem Einkommen.