Die Uetersener Tafel e.V.

Essen, wo es hingehört

Armut hat ein Gesicht bekommen

02.01.2007 Barmstedter Zeitung

Seit August diesen Jahres hat die Uetersener Tafel ihre Türen geöffnet. Sie versorgt rund 350 bedürftige Menschen mit lebenswichtigen Nahrungsmitteln. Tafel-Gründer ist Roland Breuer. Er äußert sich zu seiner Motivation – und zur wachsenden Armut hierzulande.

Im Gespräch./Uetersen. „Wer die Menschenschlangen vor unserem Ausgabetisch beobachtet, wird sich sicher fragen, wo diese vielen mittellosen Menschen denn vor der Eröffnung der Tafel waren. Armut findet eben im Verborgenen statt. Viele Bedürftige schämen sich und kommen deshalb auch heute noch nicht zur Tafel.

Mit unserem Projekt haben wir die zunehmende Armut an die Öffentlichkeit gebracht!“ So sieht es Roland Breuer, Gründer der Uetersener Tafel, im Gespräch mit unserer Zeitung. Die im August diesen Jahres eröffnete Anlaufstelle, angesiedelt an der Reuterstraße, versorgt rund 350 Menschen mit Fleisch, Brot, Obst, Gemüse und Salat. Die meisten sind Hartz IV-Empfänger, hinzu kommen noch Rentner mit einem schmalen Budget sowie Selbstständige.

Finanziert wird die Arbeit von den Städten Uetersen und Tornesch sowie aus Spenden. Lebensmittel spenden Geschäfte aus der Region sowie Privatleute: Manchmal bleibt auch etwas von einer Party übrig, das dann an die Tafel geht.

„Ich war früher selbstständiger Unternehmer und bin jetzt Hartz IV-Empfänger,“ so Breuer. Er sei aus eigener Betroffenheit heraus aktiv geworden, habe sich bei verschiedenen Tafel-Einrichtungen informiert und sich gefragt, weshalb es so etwas in Uetersen nicht gebe. Seine ursprüngliche Absicht, einen Träger wie die AWO für das Projekt zu gewinnen, sei an der voraussehbaren Größe gescheitert: Daher habe er selbst die Initiative ergriffen und sein Vorhaben umgesetzt. Konkrete Unterstützung finde er bei 46 von aktuell 93 Mitgliedern. Als besonders erfreulich wertet er die Tatsache, dass zu den Aktiven auch viele Bedürftige zählen.

Hintergrund der Initiative ist die wachsende Armut hierzulande. Rund 10,6 Millionen Menschen in Deutschland (13 Prozent) leben laut Statistischem Bundesamt an der Armutsschwelle – besonders häufig Alleinerziehende und Arbeitslose. Die Folgen: Einschränkungen beim Wohnen, der ärztlichen Versorgung und beim Konsum. Wer sparen muss, geht nicht zum Arzt oder kauft nur billiges Essen.

Dies alles ist für ein reiches Land wie Deutschland ein „nicht zu ertragender Zustand“, so Breuer. Er plädiert dafür, Sozialhilfe und Arbeitslosengeld II um 20 Prozent anzuheben. „Wer, wie es jetzt der Fall ist, nur fünf Euro täglich zur Verfügung hat, kann sich nicht gesund ernähren!“ Roland Breuer weiß, wovon er spricht.